exhibition

Otto M. Miethke-Gutenegg. Architekt Hans Offner. Kollektivausstellung.


ID: 768, Status: proof read
Exhibition period:
Nov 1908
Type:
group
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Catalogue Entries: 191
Types of Work: painting and drawing: 30, other medium: 133, unknown: 28
Artists: 1
Gender: female: 0, male: 1
Nationalities: 1
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Date Title City Venue Type
Date Title City Venue # of common Artists
May‒Jun 1907 Kollektiv-Ausstellung O. M. Miethke-Gutenegg Vienna Galerie Miethke 1 artists
Organizing Committee
"Raumausstattung:
Architekt Hans Ofner
Stoffe: L. Bernheimer München
Tapezierer- und Tischlerarbeiten
J. List, Baderstr. 19
Sämtliche graphische Arbeiten:
Kunstanstalt Graphia G.m.b.H. München"
Catalogue
Otto M. Miethke-Gutenegg. Architekt Hans Ofner. Kollektivausstellung. Hans von Weber Verlag München 1908.
Nr. of pages: [PDF page number: 44].
Holding Institution: Bayerische Staatsbibliothek
Preface
Blei, Franz: O. M. Miethke-Gutenegg, 4p.
Reicher, Otto: Architekt Hans Ofner, Wien, 3p.

"O. M. MIETHKE-GUTENEGG.
Von O.M. zu Guteneggs Zeichnungen und Bildern
sind mir jene am liebsten, die ohne Beschwer durch
eine Idee oder ein Symbol nichts sonst geben als ein
gut und einfach gesehenes Stück Natur. Nicht weil
ich den zeichnerischen Künsten das Recht auf gedank-
liches Spiel abspreche, notabene wenn sie das Spiel
formal so beherrschen wie bei Gutenegg. Aber ob
sie es beherrschen, ob der Zeichner mit seinem Mittel
umzugehen versteht, darauf gibt es eine sichere Probe:
ob er vor dem Nichts – als – Einfachen gut besteht.
Ein Stück Landschaft, ein Akt, eine Poträtstudie – das
sind Sachen, die durch sich selber wirken müssen,
durch das in ihnen gegebene Können; da überrumpelt
uns weder ein preziöser Geist, noch ein raffinierter
Geschmack; da kann fehlendes nicht mit einer Ge-
schicklichkeit verdreht werden: wir haben den Vergleich
und bleiben ruhig. Diese Sachen Guteneggs sind sehr
sympathisch in ihrer bescheidenen unvordringlichen Art
und in den ruhigen sachlichen Mitteln ihres Ausdrucks.
Ein gutes Auge, eine sichere Hand und ein präzis
ordnender Kunstfleiss. Ich meine: diese Blätter Guten-
eggs muss man zuerst und vor den andern, den
Schwarz-Weissblättern und den farbigen Zeichnungen
sehen, um diesen gerecht zu werden, um in diesen
nicht zu suchen, was nicht drin ist, und über das ganz
klein bisschen Literatur wegzukommen, das manch-
mal, besonders in den älteren Blättern drin ist. Die
Literatur am falschen Orte: das ist mehr eine Zeiter-
scheinung als eine solche persönliche Art. Man sollte
darüber nicht so zornig werden, wie man oft wird und
dann werden muss, wenn völliges Versagen des forma-
len Könnens sich der Eselsbrücken falschen Geistgethus
bedient, um Eindruck zu machen. Hier liegt der Fall
doch wesentlich anders. Wer sich über die zeichnerischen
Absichten Guteneggs in diesen Schwarz-Weiss-Blättern
nicht ganz klar wird, der sei auf die Rahmen, Titel
und Vignetten gewiesen, die Gutenegg für Bücher ge-
macht hat und es wird ihm klar werden, dass hier
nicht nur eine geschmackvolle sondern auch sehr sichere
und bestimmte Begabung für das Ornament sich vor-
stellt. Nun möge man die grossen Schwarz- Weiss-
Zeichnungen (bitte! Sie erinnern bestimmt nicht an
Beardsley!) wieder ansehen: das „Literarische“ wird
ganz zurücktreten, und bleiben wird ein von der Phan-
tasie bewegtes Spiel von Linien, dahin gerichtet, einen
Zustand des Künstlers mit den von ihm beherrschten
Mitteln zur sinnfälligen Anschauung zu bringen. Wer
in diesen Blättern deuten will, mag deuten; er tut es
auf eigene Kosten und Gefahr; auf die Gefahr, sich
selber um den Genuss zu bringen, den ich in der zar-
ten, etwas überzarten, leisen, fast flüsternden, scheuen
fast ausweichenden Emanation dieses Künstlers empfinde.
Man vergleiche nicht! Jeder und Jedes ist mit der Ba-
nalität des Vergleiches scheinbar totzuschlagen. Und
schon gar nicht soll man vom Schwächeren zum Stär-
keren hinauf vergleichen, denn das ist auch menschlich
roh und ohne Sinn. Man bleibe doch lieber bei dem,
was ist und verarme sich nicht die Welt durch Reduk-
tion auf ein paar grosse Einzelfälle, die, nebenbei, im
Vergleich, immer nur eine ganz phraseologische Rolle
spielen und Verlegenheit des Vergleichenden bedeuten.
Wer, was immer er an Bildniswerken vor Augen be-
kommt, sich mit einer Rembrandterinnerung entwertet,
wird dabei enden, dass ihm auch der Wert Rembrandt
entgleitet oder zur Fälschung wird. Wer bei jedem
heutigen Schwarz- Weiss-Blatt Beardsley aufseufzt, sagt
vor allem, dass er Beardsley nur sehr äusserlich erlebt
und vom Wesen seiner Zeichnungen keine Ahnung hat.
Das Erbe einer Technik brauchen, heisst nicht nach-
ahmen. Manet ist nicht mit dem Hinweis auf die
Spanier zu erledigen, nicht mit Greco, nicht mit Goya.
Es gibt heute keine Kunst der Schwarz-Weiss-Zeich-
nungen ornamentaler Richtung, die sich über Beardleys
vorläufig definitive Feststellung hinwegsetzen könnte.
So wenig wie wir uns eine Malerei von Bedeutung
denken können, die die vorläufig definitive Feststellung
des Impressionismus ignoriert.
Ich wollte über die Ausstellung Gutenegg kein
Urteil sagen, keine Meinung suggerieren, nur beiläufig
einen Weg andeuten, auf dem ungerechte Urteile und
Falsche Meinungen zu vermeiden sind. Sagen, dass
dieser Künstler in tüchtigem Fleisse dem Studium der
Natur abgewinnt, was sein Geschmack und sein Form-
Gefühl zum Ornamente variiert.
FRANZ BLEI"

"ARCHITEKT HANS OFNER, WIEN
Tägliche, vordem gleichgiltige Dinge durch Schön-
heit zu adeln, dem Zweckdienlichen eine sinngemässe
Gestalt zu geben, ein formales wie ethisches Ebenmass
dafür zu finden – diese Worte klingen heute schon
antiquiert. Wie es immer zu geschehen pflegt, dass
Neues abgebraucht erscheint, wenn im Werden begriffene
Dinge von Unreifen aufgenommen und gelobt werden:
die, die guten Willens wären, wenden sich von einer
auf so gewöhnliche Weise angekündigten Unternehmung
end urteilen a priori ungerecht. Kommt später gar
eine gefällige Nachahmung auf und verschafft sich
unter dem Deckmantel einer allgemein erreichbaren
Originalität Eingang und oberflächliche Schätzung, so
wird sich gewiss niemand um die Entwicklungsgeschichte
einer im Grunde doch banalen Kleinigkeit bekümmern,
man wird nicht fühlen, dass das Prinzip als solches
gleich geblieben ist. Überdies sind ja die Arbeiten ge-
rade der letzten Jahre stets die ältesten, diejenigen, die
am weitesten überholt worden sind.
Dermassen geschah es auch Wien in seinen jüngeren
Bestrebungen. Es waren wie auf eine geheime Verab-
redung Maximen festgelegt worden, man schien sich da-
hin vereinigt zu haben, das Unfertige für endgiltige
Lösungen anzusehen, Versuche Überzeugungen gleichzu-
achten; eine billig geführte Abfertigung halb ironischer,
halb prätentiöser Natur ergab sich in dem, sobald es
sich um Wien handelte, eigenartig betonten Worte
„Kultur“, ein Wort, mit dem auch das Unverständliche
entschuldigt und verbindlich totgeschwiegen wurde. Aller-
dings hat es auch im Auslande nie an Verständigen ge-
fehlt, die sehr hohe wertvolle Eigenart der Leistungen
eines Hoffmann, Moser zu würdigen wussten und darauf
verwiesen, dass der nunmehr hinlänglich beliebte „Wiener
Stil“ nur ein schwächliches Plagiat der manchmal
seltsam eigenwilligen, aber nie unbedeutenden Ideen
dieses Kreises sei. Erst der schönen, in ihrem Umfange
überaus weise beschränkten „Kunstschau 1908“ war es
vorbehalten, die durchaus künstlerischen Absichten und
ehrlichen Erfolge weiterhin aufzuzeigen: neben der im-
ponierenden Exposition der „Wiener Werkstätte“ war
es auch Hans Ofner, der durch seine Arbeiten auffiel.
Und nun sollten diese seine Schöpfungen neben den
Zeichnungen Otto zu Guteneggs und doch wieder in
enger Verbindung damit in München zur Schau gestellt
werden, als einer ganz bestimmten, ungemein differenzier-
ten und nur wenig verstandenen Sphäre – Wien – ihrem
Wesen nach angehörig.
Hans Ofner hat manche Wünsche erfüllt, die man
an den Künstler seiner Bestimmung richten möchte;
Sparsamkeit in der Verwendung des Materials zugunsten
edler Wirkung, eine schätzenswerte Einfachheit galt ihm
höher denn verwirrender Prunk.
Dünkt es nicht wie ein Symbol des modernen Lebens,
wenn man hier früher wol im Hause geübte Fertigkeit
zur Kunst erhoben sieht und der Künstler den in der
Zeit, der grossen, vielbewegten Zeit verfangenen Men-
schen die Gaben bietet, die sie sich vordem selbst er-
schufen? Seine Gebärde mag vielleicht sehr bewusst
sein – immerhin, sie ist gerecht und für uns andere,
die wir ja immer das Publikum darstellen, so nah wir
dem Schaffenden auch stehen, liegt eine schöne Ergeben-
heit darin, dass wir uns der sozusagen imperativen Kunst-
äusserung auch in diesem Gebiete willig unterordnen.
OTTO REICHER"
Catalogue Structure
Blei, Franz: O. M. Miethke-Gutenegg, 4p.
"Porträts i. Gouache, Kreide, Bleistift u. Holzschnitt", cat. 1-7
"Federzeichnungen", cat. no. 8-24
"Farbige Federzeichnungen", cat. no. 25-31
"Aquarelle", cat. no. 32-36
"Buchtitel, Aktstudien, Exlibris, Postkarten", cat. no. 38-51
"Drucke", cat. no. 52-56

Reicher, Otto: Architekt Hans Ofner, Wien, 3p.
"Schmuck- und Edemetallarbeiten", cat. no. 1-67
"Kunstgewerbliche Gebrauchsgegenstände", cat. no. 68-126
Additional Information
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Name Date of Birth Date of Death Nationality # of Cat. Entries
Otto Maria Miethke-Gutenegg 1881 1922 AT 58
Recommended Citation: "Otto M. Miethke-Gutenegg. Architekt Hans Offner. Kollektivausstellung.." In Database of Modern Exhibitions (DoME). European Paintings and Drawings 1905-1915. Last modified Nov 29, 2020. https://exhibitions.univie.ac.at/exhibition/768